2016

08.01. Bis 24.01.2016

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vernissage startete mit Liveprogramm ... es gab großartige Musik von Teresa Wirtz und Tobias Stutz im Duo, der Soundskulptur "Ode" zwischen Musik und Performance von Theresia Tarcson UND weiteren sehr spannnenden Live- und interaktive Performences aus unterschiedlichen Richtungen

 

Die  Finissage fand in Form der  Selfieparty am Samstag den 23.01.2016 ab 19h00 statt.

Der Startschuss fiel mit Live-Beats mit Kameras, denn Theresia spielt auf der Soundskulptur "Ode" das unverwechselbare 16-2/3 Stück! Im Anschluss heißt es Bühne frei für die Hiphop-combo "reimgeil", mit Christian, Felix & Co!  "reimgeil" spielt mit Tobi gemeinsam unplugged Songs mit deutschen Texten für uns!!!

Selfie Freestyle inklusive!!!

 

INFOS zur Ausstellung: 

Das sicherlich älteste Beispiel eines Selfies kann man bereits aus der Mythologie ableiten. Der Jäger Narziss, voll Übermut wegen seiner unermesslichen Schönheit, wurde von der Göttin Nemesis verdammt, sich in sein Spiegelbild zu verlieben. Dies geschah, als er seinen Durst stillen wollte und sich in der Wasserquelle erblickte. Sein Name wurde demnach sprichwörtlich für die Selbstverliebtheit, die schließlich in Ovids Metamorphose zum Tod des Protagonisten führte, da der selbstverliebte Narziss sogar die Nahrungsaufnahme vergaß. Ist diese Mythologie eine Parabel für das neue gesellschaftliche Phänomen Selfie, in dem der Kult der Selbstdarstellung im Internet das direkte Umfeld des Einzelnen in die Ferne rücken lässt? Ist der moderne Mensch so eitel wie Narziss? Oder ist er eher Exhibitionist? Strebt er nach dem Unerreichbaren, so dass er sogar vergisst, er selbst zu sein?

 

Das Phänomen ist allerdings nicht unbedingt neu. Es ist nur extremer geworden. Die Kunstgeschichte zeigt bereits etliche Beispiele von Selfies... sie hießen nur damals anders: Selbstbildnisse, Autoportraits...

 

Der Drang abgebildet zu werden, entsteht aus dem Willen zur Repräsentation... zunächst des Machthabers, der entweder idealisiert (z.B. um dem ewig jungen Göttlichen zu gleichen), stilisiert (als besorgter Herrscher) oder gar realistisch erscheint. Später breitet sich dieser Wille auf eine immer breitere Elite aus. Attribute wurden sehr früh Hauptbestandteil einer Repräsentation. Man muss schließlich für alle Ewigkeit erkennen, mit wem man zu tun hat, selbst wenn man dem Bürgertum angehört.

 

Die Künstler haben dann auch erkannt, dass es in ihrer Macht stand, sich selbst zu verewigen. Ihre Beweggründe waren sehr unterschiedlicher Natur. Manche schlichen sich diskret in ihre Werke ein, wie z.B. Michelangelo, der seine Gesichtszüge der abgezogenen Haut des Bartholomeus im Jüngsten Gericht der Sixtinischen Kapelle verlieh. Andere, die ihre Modelle aus der "Gosse" holten, wie Caravaggio oder Simon Vouet, vereinten in ihre Gemälden die Pose ihrer Modelle mit ihrem eigenen Gesicht. Ihre Mimik übermittelte die passende Dramatik in ihrem Werk. Ein wenig Selbstironie finden wir in dieser Hinsicht bei Cranach, der sich als geköpfter Holofernes in den Händen der Judith darstellte. Für viele Künstler stellte das Selbstbildnis eine reine technische Herausforderung dar: Ausgestellt in ihren Werkstätten sollten die Bilder den potenziellen Kunden von ihrem Können überzeugen.

 

Mit Rembrandt wurde das Selbstbildnis zum Dokument: Er hinterließ mehr als 100 Selbstbildnisse, vom schüchternen 20-Jährigen bis hin zum alten, verbrauchten Mann, Zeugnisse eines Menschenlebens. Mit den Expressionisten wurde das Selbst und der seelische Zustand zur Schau gestellt. Felix Nussbaum zeigte in seinen zahlreichen Selbstbildnissen die Folgen der Verfolgung durch die Nazis. Der zeitgenössische Künstler Arnaud Prinstet treibt den Dokumentationsdrang zum Exzess, indem er sich tagtäglich einmal malt und seine Selbstbildnisse auf Monumente projiziert oder im Internet "ausschüttet".

 

Was also Rembrandt ahnungslos mit viel Mühe produzierte, ist durch den technischen Fortschritt zu einem Massenphänomen geworden. Jedermann kann heute sein Selbstportrait - Selfie genannt, abgeleitet aus dem Englischen - in kürzester Zeit nicht nur machen, sondern beliebig oft, und auch sofort der Öffentlichkeit auf unterschiedlichen Kanälen präsentieren. Er braucht lediglich eine Kamera und einen Internetzugang und dann wird es im Restaurant, in Kneipen, beim Shoppen im Minutentakt - beinah live -dokumentiert und durch "Posten" in sozialen Netzwerken veröffentlicht. Der kommunikative Aspekt der Selbstdarstellung steht im Vordergrund. Internetplattformen dienen dem Nutzer als Bühne zur Inszenierung einer eigenen Wirklichkeit zur Erhöhung seines Prestiges. Der Erfolg misst sich an der Anzahl der Follower und deren für alle sichtbaren Urteile über das Gepostete.

 

AMorph versteht sich als basisdemokratische, stetig wachsende Plattform für Künstler aller Richtungen und Medien mit den unterschiedlichsten Positionen. Die Mitstreiter stehen über ihre Werke im Dialog zueinander. Aus diesem Verständnis heraus wollen wir AMorphisten im Künstlerforum eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Phänomen Selfie anstoßen. Der medialen Umsetzung wird AMorph-gerecht keine Grenzen gesetzt: Fotografie, Malerei, Rundplastik, Konzeptuelle Werke, Video u.v.m. werden erwartet. Für die Ausstellungseröffnung wird das Publikum in interaktiven Live-Performances eingebunden, so dass sich der Ausstellungsraum symbolisch in ein soziales Netzwerk verwandelt.

 

Eindrücke zur Ausstellung: